Die Geschichte von Nesselröden


Blick vom Hagelkreuz uber Nesselröden zum Euzenberg

Blick vom Hagelkreuz auf Nesselröden (04-2017)

Nesselröden ist heute mit seinen über 2200 Einwohnern ein Ortsteil von Duderstadt im Landkreis Göttingen. Es lag 40 Jahre lang unmittelbar an der Zonengrenze, durch die nicht nur der Verkehrsweg zum Nachbardorf Böseckendorf jäh abgebrochen wurde, sie hatte auch alle wirtschaftlichen Bindungen abgeschnitten und alle verwandtschaftlichen Beziehungen unterbrochen. Durch die friedliche Revolution in der ehemaligen DDR änderte sich dieser Zustand und nach der Öffnung der Grenze nach Böseckendorf und durch die Wiedervereinigung im Oktober 1990 sind nun die Verhältnisse zu den Nachbardörfern wieder so wie einst vor 40 Jahren.

Der Ort Nesselröden wurde 1183 zum erstenmal in einer Urkunde des Erzbischofs Konrad I. von Mainz erwähnt, in der der Zehnte von Noscilrit aufgeführt ist. In einer späteren Urkunde der Äbtissin von Quedlinburg (1227) sind Zeugen genannt: Johannes und Witekindus de Netelrede und Johannes de Dudenbornen.

Bis 1236 hatten die Äbtissinnen zu Quedlinburg in Nesselröden Bauerngüter zu Lehen, vor allem in den Gemarkungen Nackenrode und Goldhagen, weiter die Wälder in der Stäpe mit der Siedlung Stopenhagen.

In dieser Zeit wurden in der Nesselröder Gemarkung vier Siedlungen errichtet: Dudenborn, Stopenhagen, Goldhagen und Nackenrode, die aber im 15.Jh. eingingen und zu Wüstungen wurden.

Bis 1252 gehörte dann Nesselröden zum Herzogtum Braunschweig. Die Ländereien hier ließen die Herzöge durch Vögte verwalten oder gaben sie an Vasallen als Lehen. Anschließend gehörte Nesselröden zu Grubenhagen. Über 450 Jahre von 1342 bis 1803 war das Eichsfeld beim Erzbistum Mainz. Nach dieser Zeit wurde das Untereichsfeld dem Königreich Hannover zugeschlagen und kam 1866 schließlich zu Preußen.

Zwei historische Epochen im 16. und 17. Jh. prägten das Zeitgeschehen: Reformation und 30jähriger Krieg. Bald nach der Reformation 1517 und dem Bauernkrieg 1525 fasste die Lehre Luthers auch im Eichsfeld Fuß. So wurde auch 1574 Nesselröden evangelisch. Bald darauf setzte die Gegenreformation durch die Jesuiten aus Heiligenstadt ein, und 1607 war Nesselröden fast wieder katholisch.

Ruhe gab es in der folgenden Zeit nicht. Es setzte ein verheerender Glaubenskrieg ein, der das Eichsfeld hart traf. Der 30jährige Krieg von 1618 - 1648 brachte für unser Dorf Zerstörung, Hunger und Not. Am Ende desselben, 1648 standen in Nesselröden nur noch 26 bewohnbare Häuser. Nesselröden war als Ratsdorf durch Jahrhunderte der Stadt Duderstadt untertan und musste für sie fronen. Die Bewohner des Dorfes setzten sich vor und nach dem 30jährigen Krieg zusammen aus 12 Freien Bauern, 54 Lehensbauern und einer großen Anzahl von Kotbauern. Zu den Lehensherren zählten neun adelige Herrscherhäuser der Umgebung, auch das Stift Wehnde, die Kirche von Nesselröden und die Churfürsten von Mainz.

Die Zehnt-Abgabe der Bauern an die Lehensherren war hart. Der Zehnt bestand der Regel nach in dem zehnten Teil, der auf dem zehntpflichtigen Lande gewachsenen, dem Zehntrecht unterworfenen Früchte. In Nesselröden gab es den Frucht-, Flachs- und Tabakzehnten. Für die richtige Ablieferung sorgten drei Zehntsammler. Der Gänse- und Ferkelzehnt wurde pünktlich vom Ortsschultheiß in natura in die Rezeptur im Pöldehof zu Duderstadt gebracht.

Die Ablösung der letzten bäuerlichen Freiheitsbeschränkungen und die Eigentumsübertragungen der bäuerlichen Höfe erfolgte im Königreich Hannover ab 1830. In Nesselröden dauerte sie 8 Jahre und erst 1869 kam sie zum Abschluß. Die Gemeinde musste 25.000 Reichstaler zahlen.

Im Dorf gab es damals einige Handwerkerkleinbetriebe, und acht Webermeister stellten Leinen her. Männer zogen mit ihren Kiepen durch das Land und verkauften die Tücher und Websachen. Ende des 19. Jh. fanden Frauen in zwei Zigarrenfabriken und die Männer in einer Ziegelei Arbeit. Es kam die Zeit, wo viele Männer in die Fremde zogen und als Saisonarbeiter so viel Geld nach Hause brachten, dass der Lebensstandard der Bewohner von Nesselröden ein wenig angehoben wurde.

Eine neue Zeit begann nach dem 2. Weltkrieg. Handwerker machten sich selbständig und drei Baufirmen hatten sich etabliert. Ein reges Bauen begann. Das Dorf vergrößerte sich durch neue Siedlungsgebiete rings um den alten Ortskern, es wurde schöner, der Wohlstand der Bewohner wuchs von Jahr zu Jahr. Viele neue Gemeinschaftseinrichtungen wurden erbaut, auch die Vereine legten Sportplätze mit Klubhäusern an. Viele, meist jüngere Arbeiter, haben einen Arbeitsplatz in Göttingen oder Duderstadt gefunden und fahren nun täglich mit ihren eigenen Wagen zur Arbeitsstelle.

Nach der Gebietsreform wurde Nesselröden am 1.1.1973 Ortsteil von Duderstadt. Dieser Anschluss brachte der Gemeinde manche Vorteile.

Der örtliche Verkehrsverein ermöglicht es, vielen Touristen in zwei Gaststätten und in Privatwohnungen Unterkunft zu geben. Die naheliegenden Waldgebiete mit herrlichen Waldwegen bieten allen Urlaubern die beste Gelegenheit zur Erholung.  

E. Kreißl

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